Dienstag, 23. September 2008

Tiwunako

Servus Leid!
Letzte Woche war ich gesundheitlich endlich wieder voll auf der Höhe und konnte wieder voll arbeiten. Freitag war ich dann an ganzen Tag unterwegs und hab mit Elsa und Eli, meiner Sozialarbeiterin (praktisch meine Chefin) irgendwo in der Pampa nach den Eltern der Elsa gesucht. In dem Dorf, des uns Elsa beschrieben hat, haben wir uns dann erst mal mit ihrem Schwager rumgeschlagen, der von der 12-jährigen nichts wissen wollte und haben uns dann schliesslich zu Fuss auf den Weg zum Hof ihrer Schwester gemacht, von den Eltern wusste niemand etwas. Nach 2 Stunden Fussmarsch waren wir endlich dort, 2 Lehmhäuser mitten am Altiplano, wo ausser etwas Gras und ein paar Rindern und Schafen überhaupt nichts war. Die Schwester hat inzwischen selbst 3 Kinder und lebt mit ihrem Mann und seinen Eltern auf dem "Bauernhof", ihre eigene Schwester hat sie anscheinend vergessen. Da sich Eli mit den Leuten auf Aymara unterhalten hat (alte Inka-Sprache), hab ich nicht viel mitbekommen. Über die Familie haben wir nicht viel erfahren, vom Vater weiss niemand etwas, eine Schwester sitzt in Santa Cruz im Gefängnis, ein Bruder ist in Cochabamba und die Mutter lebt irgendwo in El Alto bei La Paz. Immerhin hat die Schwester versprochen, Elsa im Hogar zu besuchen, ob sie dann auch wirklich kommt, ist eine andere Frage... Das traurige dabei ist, dass dies kein Einzelfall ist, sondern immer wieder vorkommt, viele der Mädchen haben ganz ähnliche Geschichten.

Der Altiplano, die grosse Hochebene in Bolivien (ca. 3800 m), wo wir einen ganzen Tag unterwegs waren, um Elsas Eltern zu finden (die Strasse, die man erkennt, ist eher eine Seltenheit, Autos fahren dort so gut wie nie).

Nach einem super Samstagabend sind wir dann am Sonntag mal wieder zum Clásico (Stadtderby zwischen Bolivar und Strongest) ins Stadion gegangen. Nachdem sich Bolivar schon am Donnerstag nicht für die Copa Sudamericana qualifizieren konnte und trotz eines Sieges gegen Quito ausschied, kam man auch am Sonntag nicht über ein 3:3 hinaus, das sich aber immerhin wie ein Sieg anfühlte, weil Bolivar einen unberechtigten Elfmeter für Strongest zum 3:2 in der 91. Minute direkt im Gegenzug noch durch einen Freistosstreffer in der 94. Minute zum 3:3 ausgleichen konnte.

Das Stadium Hernando Siles in La Paz, Austragungsort der Spiele der drei Stadtvereine Bolivar, Strongest und La Paz F.C.

Heute (Dienstag) hatten wir dann mal wieder Gruppenaktivität und sind zu den Ruinen der Tiwunakakultur ein Stück ausserhalb von La Paz gefahren. Da kann i etz ned viel erzählen, war auf jeden Fall interessant, schaut euch einfach die Fotos an:

Was gibts sonst noch Neues?
Hab die Patenschaft fürn Quince, den 15. Geburtstag eines Mädchens aus dem Hogar übernommen, der hier sehr wichtig ist. Am Freitag is die Feier, ich darf mal wieder im Anzug Walzer tanzen und bin dann mein Leben lang ihr Pate, mal schaun, wie des dann in Deutschland weiterlaufen soll.
Des Wetter hier ändert sich leider immer noch nicht richtig, abgesehen von ein paar Regenschauern hin und wieder.
Des weggehn am Wochenende wird auch immer besser, weil wir die Stadt jetzt einigermassen kennen und uns dann die besten Discos aussuchen können.
Für die nächsten Wochen ist jetzt ein Besuch in Cochabamba (im Tiefland, Wärmer!!!) geplant und eine Motocross-Tour durch Salar de Uyuni, die grosse Salzwüste südlich von La Paz. Wieviel sich davon realisieren lässt - abwarten!
Langweilig wird mir also hier sicher nicht, so kurz nach Frühlingsbeginn (letzter Samstag). Schöne Grüsse ins herbstliche Deutschland, ich hoffe, ich kann mich bald wieder melden, ¡hasta luego!

Fidel

Sonntag, 7. September 2008

Copacabana

Servus an alle daheim im fernen Deutschland,
leider hat sich dieser Blogeintrag durch diverse Krankheiten und sonstige Ablenkungen stark verzögert, zudem ist in letzter Zeit nicht viel aussergewöhnliches passiert.

Dieses Wochenende hingegen war endlich mal wieder was geboten. Samstagfrüh sind wir nach Copacabana am Titicacasee (höchstgelegener schiffbarer See der Welt, 3800 m über dem Meer gelegen) gefahren, zur Wallfahrt zur Virgen De Copacabana. Nicht nur unser Projekt Niñas Obrajes, sondern die ganze Fundación Arco Iris mit ungefähr 2000 Leuten. Um 6 Uhr früh musste ich schon im Projekt sein, aber es dauerte noch bis 8 Uhr, bis unsere beiden Busse beladen und voll besetzt waren. Als wir dann gegen Mittag den Titicacasee erreichten und mit Fähren übersetzen mussten, trafen wir endlich auch auf alle anderen Projekte, insgesamt waren es über 30 Busse. Übergesetzt wurden wir von der bolivianischen Marine (ja, eine Marine kann man auch ohne den Meereszugang haben, um den Bolivien seit ca. 100 Jahren mit Chile streitet), allerdings sah es so aus, als wäre das das einzige, wozu die Marine fähig ist. Auf der anderen Seite wurden wir dann mit Musik und Mittagessen empfangen und machten erst mal eine lange Pause, bevor es dann weiterging. Dann dauerte es nicht mehr lang, bis wir Copacabana erreichten (der Strand in Rio ist übrigens nach diesem Ort benannt). Dort feierten wir nach der Prozession zur Kirche einen Festgottesdienst und quartierten uns dann in eine Herberge ein. Den Nachmittag verbrachten wir am Strand, nachdem wir dort den Sonnenuntergang erlebt hatten, ging es in einer weiteren Prozession mit Laternen zur Kiche hoch in den Ort. Dann begann das Abendprogramm, für die älteren im Kolloseum mit einem Discoabend, da ich aber eine Gruppe mit jüngeren Mädchen hatte, blieb für mich nur das Unterhaltungsprogramm in einem Schulhof (zwei Clowns, die verzweifelt versucht haben, die Kinder zum Lachen zu bringen. Trotzdem hatten wir Samstagabend alle einen Riesenspass und konnten Sonntagmorgen ausgeruht wieder aufstehen.

Viel Zeit blieb nicht mehr, nach einer Tretbootfahrt und einer Fahrt mit einem Ausflugsschiff auf dem Titicacasee mussten wir gegen Mittag wieder abfahren und kamen trotzdem erst gegen Abend zuhause an, dafür bekamen wir aber immerhin den Montag noch frei.

Was gibts sonst neues aus Bolivien? Es wird langsam regnerisch und wärmer, auch wenn die Regenzeit erst so richtig im Dezember beginnen wird. Andererseits ist es angenehmer, auch hier mal eine Wetterveränderung zu bemerken, die letzten Wochen mit strahlendem Sonnenschein waren bei der starken Sonneneinstrahlung auf dieser Höhe doch sehr anstrengend.

Meine Arbeit macht immer mehr Spass und mein Spanisch von Tag zu Tag besser, könnte also gar nicht besser sein.Unten noch ein paar Fotos von Copacabana...

Bis bald, saludos,


Fidel

Sebi beim Übersetzen über den Lago Titicaca.


Patrioten gesucht für die bolivianische Marine...

Blick auf Copacabana vom Lago Titicaca aus.



P.S. @Coach: Kannst gerne vorbeikommen!
P.S. @FamilieRauscher: Des Persische Essen war super, werden wir jezt wsl öfter machen oder auch mal andere Rezepte von ihm ausprobieren. Ist der Schlafsack oder Isomatte jetzt schon aufgetaucht?
P.S. @ComandanteLermer: Wo wirst du zum Arbeiten anfangen? Für a Freundschaftsspiel Kirchroth - Bolivien müssen die Kontakte leider noch vertieft werden...
P.S. @Moni: Auch ganz liebe Grüsse zurück, kannst du mir mal dei Mail-Adresse schreiben? Gracias
P.S. @Mizä: Wo hast du angefangen und wie lang wird die Ausbildung dauern? Hört sich echt gut an!
P.S. @Andi: Wo hast den Ferienjob gmacht? Völkl?